Roman Polanski, welcher im Original-Film von 1966, Regie führte, das Drehbuch schrieb und selbst die Rolle des Alfred verkörperte, spielte schon länger mit dem Gedanken, aus "Tanz der Vampire" ein Musical zu machen. Er selbst erzählte zur Ur-aufführung 1997: "Es ist die Art Film, die sich für das Musical-Theater adaptieren lässt. Die Idee zum Bühnen-Musical entstand übrigens schon vor 10 Jahren und stammte ursprünglich von Andrew Braunsberg, dem Mitproduzenten des Films und meinem früheren Partner".

Anfang der Neunziger organisierte eben erwähnter Andrew Braunsberg ein Treffen mit Rudi Klausnitzer, dem Chef der Vereinigten Bühnen Wien. Klausnitzer brachte Polanski widerrum mit dem Texter Michael Kunze zusammen und beide begannen mit dem Drehbuch, wobei alle Songtexte von Kunze stammen. Die Wahl für Steinman hatte folgenden Grund: "Jim Steinman ist ein toller Komponist. Er ist sehr produktiv und kennt sich mit Musicals aus. Er arbeitete eng mit Sir Andrew Llyod Webber zusammen. Er mag das Vampirmaterial, es amüsiert ihn, und er hat sein Talent für Rockmusik bewiesen. Wir wollten einen Rock-Touch in der Show haben, aber gleichermaßen benötigte sie auch den Stil einer Oper".

Von den ersten, kreativen Schritten bis hin zur Ur-Aufführung am 04. Oktober 1997 in Wien vergingen fast 4 Jahre. Doch die Mühen sollten sich auszahlen: Von Oktober 1997 bis Januar 2000 lief das Musical erfolgreich in Wien. Das Vampir-Fieber griff auch in Deutschland: Stuttgart, Hamburg, Berlin, Oberhausen, widerrum Stuttgart und widerrum Berlin - die Deutschen konnten von den Vampiren gar nicht genug kriegen. Auch international ist das Musical erfolgreich und lief in Polen, Japan, Finnland, Belgien, Russland uvm. Die New Yorker Broadway Fassung war dagegen ein Flop, was wohl auch daran liegen könnte, dass Handlungen und Songs massiv umgeschrieben wurde und sogar Komponist Steinman sich von der Aufführung distanzierte.

Insgesamt wurden die Vampire von 6 Millionen Besuchern weltweit gesehen.



Um ein Musical wie "Tanz der Vampire" durchzuführen, bedarf es einiges an Arbeit hinter den Kulissen. 20 Technik-Mitarbeiter sorgen während der Show für den reibungslosen Ablauf und sie haben allerhand zu tun: 300 Regquisiten, viele große Kulissenteile, das 3 Tonnen schwere und voll bewegliche Wirtshaus oder auch die 6 Meter hohe Wendeltreppe im Schloss von Graf Krolock. Alle Kulissenteile werden dabei auf Schienen geführt und von 42 maschinellen Antrieben gefahren. Für die passende Atmosphäre sorgen vier Beleuchter, die mit 550 Scheinwerfern, 120 Farbwechslern und 62 Moving Lights arbeiten.

Die Musik ist natürlich wichtig für die Show. Unauffällig haben alle Akteure an der Stirn, bevorzugt im Haaransatz je zwei Mikrofone (falls eines mal ausfällt). Unter der Bühne sorgt von rund 15 - 20 Mann für den Sound. Damit Gesang und Musik bei dem Publikum gut ankommen wird die Musik über ein 110-Kanal-Tonpult abgemischt und der Theatersaal von über 125 Lautsprechern beschallt.

Ebenso aufwendig wie Kulissen und Produktion sind auch die Kostüme. 230 handbemalte Kostüme, 200 Paar Schuhe, Ritterrüstungen, Hüte, Tücher uvm. kommen in "Tanz der Vampire" zum Einsatz. Jeder Vampir des Ensembles besitzt darüber hinaus zwei Paar Vampirzähne, welche speziell für den jeweiligen Darsteller angepasst wurden. Ebenso angepasst werden auch die 13 Glatzen und die über 100 Perücken. Jeder Darsteller wird pro Show mindestens zweimal völlig neu geschminkt, bei den Hauptakteuren kann es auch mehr sein. Kleiner Scherz am Rande: Für alle Vampir-Kostüme der "Ewigkeits" Szene stand ein historisches Vorbild Pate.

Eine reibungslose und schnelle Arbeit ist auch bei den Schauspielern gefragt. Durch die zahlreichen Kulissen-Wechsel und Drehungen müssen die Darsteller stets am richtigen Ort stehen um nicht von den Kulissenteilen gestoßen zu werden. Bei der Ewigkeits-Szene fährt bekanntermaßen ein ganzer Friedhof von der Decke. Unauffällig müssen die Vampire unter den Friedhof huschen bevor dieser den Boden erreicht. Timing ist auch bei zwei weiteren Szenen gefragt. Wenn Graf Krolock Sarah das erste Mal besucht und im Sekundenbruchteil vom Dach im Badezimmer erscheint, so ist das die Koordination von zwei Krolock-Darstellern. Auch bei der Spiegelszene wird mit Doubles gearbeitet. Kostüme und Darsteller müssen hier 100prozentig aufeinander abgestimmt sein.



Die Zitate von Roman Polanski sowie die technischen Daten entstammen den Begleitbüchern "Tanz der Vampire: Das Musical" der Aufführungsorte Stuttgart und Oberhausen. Daten über Aufführungsorte entstammen dem Artikel "Tanz der Vampire" des Online-Lexikons Wikipedia. Weiterhin sind in dem obigen Text Informationen verarbeitet, die ich bei der Backstage-Führung der Stuttgarter Aufführung 2011 erfuhr.



Making of Tanz der Vampire

Copyright 3Sat
Wer es noch genauer haben will sollte sich diese unterhaltsame, halbstündige Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Senders 3Sat ansehen.









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