Vampir? Vampyr? Upir? Vapir?

Bevor wir zu den Legenden und Mythen des Vampires kommen, sollten wir klären, was "Vampir" eigentlich bedeutet. Und da wird es schwer, da man sich bis heute darüber uneinig ist, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Als gesichert gilt, dass es aus einer der zahlreichen slawischen oder baltischen Sprachen stammt. Je nach Schreibweise gibt es "Vampir" und "Vampyr". Ob die geänderte Schreibweise mit dem "y" eine besondere Bedeutung hat, ist unklar (in manchen Internetforen trennen sich die "echten" Vampir-Experten so gerne von den durch Filme und Serien verächtlich als Poser betrachteten "Vampir" Fans. Auch in der Vampirismus Szene ist die Schreibweise "Vampyr" häuftiger anzutreffen). Oft wird das Wort bulgarische "Vapir" in Verbindung gebracht, was soviel wie "geflügeltes Wesen" heißt. Das russische Wort "Upir" bezeichnet im Großen und Ganzen dasselbe Wesen und ist daher heute etwas in Vergessenheit geraten.

Meyers Lexikon schreibt unter dem Eintrag "Vampir":
"Verstorbener, der nachts unverwest dem Grab entsteigt, um Lebenden das Blut auszusaugen. Die auf dem Glauben von lebendem Leichnam basierende Vampirvorstellung entstammt dem südslwaischen, rumänischen und griechischem Volksglauben vom Widergänger; in Deutschland, hier um 1720 zuerst belegt, sprachliche Variante zu Blutsauger oder Nachtzehrer".
Einen weitestgehend ähnlichen Erklärungstext findet man sowohl in 1733 erschienen "Dissertatio de vampirirs serviensibus", in "Zedlers Universal Lexikon" (18. Jahrhundert) und auf "Wikipedia.de"

Der Vampir

Wie bereits auf der ersten Seite erwähnt, findet man Erzählungen von "blutsaugenden Wesen" und "lebenden Toten" in so ziemlich jeder Kultur rund um den Erdball. Die Vorlagen für die heute in den westlichen Ländern verbreitete Darstellung von Vampiren stammt aus dem Karpatenraum, v.a. aus Bulgarien, Rumänien (Transsilvanien) und Ungarn und haben sich von dort nach Österreich, Polen, Albanien, Serbien und Griechenland verbreitet. Es sollte erwähnt werden, das diese Länder im Gegensatz zu Westeuropa historisch betrachtet lange Zeit als rückständig und besonders abergläubisch galten und sich daher der Vampirmythos recht lang halten konnte. Bis heute hat sich in einigen Gegenden von Südosteuropa (aber auch in Asien, Afrika und Südamerika) der Glauben an Vampire oder vampirähnliche Gestalten gehalten.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Wesen, wie etwa "Geistern", ist die Tatsache, dass ein Vampir früher mal ein Mensch gewesen war. Es ist also von Bedeutung, dass ein Toter wiederaufersteht und das Grab verlässt - und weniger das Blutsaugen.

Geschichten von Vampiren

Laut Überlieferungen sucht ein Toter die Lebenden heim, und zwar zunächst die Familienangehörigen. Kam es zu einer Reihe von Todesfällen innerhalb einer Familie, war es üblich, den Leichnam eines "verdächtigen Toten" zu öffnen, um zu überprüfen, ob er sich nicht vielleicht in einem Vampir verwandelt hatte. War der Leichnam verwest, so wusch man ihn mit Wasser und Wein und vergrub ihn wieder. War der Verwesungszustand jedoch nicht fortgeschritten und die Hautfarbe rosig, so galt eine Verwandlung in einen Vampir als gesichert. In diesem Fall war es üblich den Toten zu enthaupten oder zu verbrennen. Es gab auch Methoden, das Grab eines unbekannten Vampires zu finden. Mauselöcher in der Nähe des Grabes waren verdächtig, da der Tote so in Gestalt einer Maus oder ähnlich kleinen Nagern aus dem Grab entwischen konnte. Eine weitere Methode war es, ein weißes Pferd (am besten mit einer jungfräulichen Reiterin) über den Friedhof galoppieren zu lassen. Sofern in einem Grab ein Vampir ruht, würde das Pferd unweigerlich scheuen. Auf das Grab gestreute Asche machen am Morgen Fußspuren deutlich, wenn das Grab verlassen wurde.

Die Zahl 40 spielt bei den Balkanvölkern eine große Rolle. Bis 40 Tage nach dem Tod entscheidet sich das Schicksal des Dahingeschiedenen. In dieser Zeitspanne ist er also noch nicht richtig tot. Argwohn schöpfte man vorneherein, wenn der Leichnam nach dem Tod von rosige Wangen hat und überprüfte 40 Tage, ob der Verdacht berechtigt war, oder ob der Tote zwischenzeitlich verwest. Verlässt ein Vampir also nun das Grab, dann macht er dies laut den Überlieferungen keineswegs um dem Nächstbesten in den Hals zu beißen. Viel mehr saugt der Vampir seinen Opfern die Lebenskraft aus. Dies kann sich durchaus über Wochen hinweg ziehen. Das arme Opfer wird unerklärlicherweise immer schwächer, blasser und kränklicher. Eine weitere Methode, die der Vampir anwendet, um seine Opfer zu töten ist das nächtliche Würgen und Drücken - was über kurz oder lang ebenfalls mit dem Tod des Opfers endet. Oftmals sucht ein Vampir auch die Nähe einer Frau, bevorzugt sogar seiner Witwe, auf. Von Vampiren aufgesuchte Frauen sollen daher oftmals übernächtigt und ausgemergelt aussehen. Häufig wird auch gesagt, dass der Vampir, sobald er seine ganze Familie ausgerottet hat, auf den nächsten Kirchturm steigt/springt/fliegt und die Totenglocke läutet. Jeder Mensch und jedes Tier, dass den Glockenschlag vernimmt, ist ihm daraufhin verfallen.

Eine Geschichte aus Rumänien:
"Eines Abends erschien anlässlichen eines Spinnabends, bei dem die Mädchen nach der Arbeit zusammen schwätzten, ein ungeladener Gast, ein Vampir. Niemand wusste allerdings, um wen es sich handelte, denn er hatte die Gestalt eines gutaussehenden, fröhlichen jungen Mannes angenommen. Sie aber dachten, er wäre aus einem Nachbardorf und scherzten und alberten mit ihm herum. Einer von ihnen schenkte er besondere Aufmerksamkeit und trieb seinen Schabernack vor allem mit ihr. Doch sah sie zufällig, dass der junge Mann, einen Vampirschwanz hatte. Sie tat so, als ob sie nichts bemerkt hätte, flüsterte aber ihrer Nachbarin zu: 'Der Fremde ist ein Vampir, wir müssen sofort weglaufen'
Die Freundin aber war derart am Lachen, dass sie nicht hinhörte, und so stand das Mädchen, unter dem Vorwand, ein Stück Leinen auf den Dachboden bringen zu müssen, auf und verließ fluchtartig das Haus. Ihre Freundinnen warteten, dass sie zurückkäme, und fingen schließlich an, sich Sorgen zu machen. Der Vampir fuhr die Mädchen an, sie sollten gefällgist ihre Freundin suchen, und als sie sich nicht finden konnten, tötete er sie alle und trankt ihr Blut. (...) Anschließend machte er sich auf der Suche nach dem einen Mädchen, das geflohen war. Endlich fand er sie in einem einsamen Haus im Wald. Freundlich fragte er: 'Aber, kleines Mädchen, warum bist du denn weggelaufen. Komm doch mit zu mir, da wird es dir gleich viel besser gehen.'
Da ging das Mädchen, das sich nicht andrs zu helfen wusst, mit ihm tief in den Wald hinein. Bei einem Loch im Boden blieb der Vampir stehen, und erklärte, dass er hier wohnen würde. Der Vampir ging zuerst hinein, und sobald er drin war, stopfte sie das Stück Leinen, das sie bei ihrer Flucht mitgenommen hatte, in den Eingang und rannte um ihr Leben. (...) (- es folgen weitere Erlebnisse, u.a. dass sie einen weiteren Vampir traf der schließlich in einen Kampf mit dem Ersten verwickelt wurde -). (...). Das Mädchen konnte ungehindert nach Hause laufen. Als sie aber dort ankam und anfing, von all ihren seltsamen Erlebnissen zu berichten, starrten ihre Eltern sie voller Entsetzen an und schlugen das Kreuz vor der Brust. Da versank das Mädchen immer tiefer und tiefer im Erdboden. Es war, vom Vampir und dem seltsamen Haus im Wald zu sehr bezaubert, selbst zu einem Vampir geworden."

(nach A. Murgoci, 1926)

Wie wird man ein Vampir?

In den meisten Romanen und Filmen ist es Brauch, das ein Mensch durch einen Vampirbiss zum Vampir wird bzw. der Vampir dem Mensch sein Blut gibt. Im Volksglauben gab es jedoch viele Überlegungen, warum ein Lebender zu einem Vampir wird. Grundsätzlich kann dieses Schicksal jeden ereilen. Das unehelich geborene Kinder Vampire werden, ist wohl auf den mächtigen Einfluss von Mutter Kirche zurückzu führen. Auch Babys, die mit einer Glückshaube (einem Rest der Fruchtblase, die wie eine Haube auf dem Kopf des Neugeborenen klebt) geboren werden, könnten dem Vampirismus verfallen. Schlecht ist es auch der 7. Sohn eines 7. Sohns, die 7. Tochter einer 7. Tochter oder generell der 7. Nachkomme zu sein. Auch Rothaarige, vor allem die weiblichen, sind potentielle Vampire. Es gibt noch zahllose, weitere Varianten, warum ein Mensch zu einem Vampir wird: Man hat den bösen Blick, war ein schlechter Mensch, wurde nicht angemessen bestattet oder der Schatten eines Vampirs sei auf einen gefallen. Der Biss eines Vampirs erklärt sich von selbst. Und natürlich werden Mörder, Selbstmörder, Kinderschänder und Mütter, die ihre Kinder töten, auch zu Vampiren. Aber damit nicht genug: Geizhälse, wer flucht, wer ein Zigeuner war, wer Kräuterweib war... - alles potentielle Vampire.

Da also prinzipiell so ziemlich Jeder ein Vampir werden konnte, sorgte man dafür, dass der Untote erst gar nicht aus seinem Grab steigen konnte. Eine beliebte Methode war es, die Fußsohlen der Toten an den Sarg zu nageln. Der Sarg selbst wurde möglichst gut verriegelt, zum Beispiel mit Eisenbeschlag, Ketten, Nieten, Klammern usw. Damit der Tote aus Langeweile nicht erst auf die Idee kam, aus dem Grab zu steigen, gab man ihm auch gerne etwas zu tun. So legte man Schnüre mit Knoten in den Sarg, damit der Tote sie aufknüpfen konnte, wenn ihm gerade langweilig war. Auch das Beschweren des Leichnams mit schwerem Eisen war eine beliebte Methode. Zur Sicherheit wachte ein Familienangehöriger bei dem Grab bis die 40-Tage-Frist verstrichen war.

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