Den Beginn der Untersuchungen eines Vampirs auf rationale Weise begann im Jahr 1732. Es erschienen zahlreiche Dissertationen zu diesem Thema. 1732 fanden die Berichte über den Vampirmythos auch Gehör in der französischen sowie niederländischen Öffentlichkeit durch Veröffentlichungen der Berichte aus den Wehrdörfern in verschiedenen Zeitungen. Die in die entsprechenden Regionen geschickten Mediziner und Theologen schrieben die Todesfälle häufig einer bisher unbekannten Seuche zu. Bei zu oberflächlich begrabenen Opfern der Seuche konnte diese weiterhin übertragen werden, was das vermehrte Sterben in den Dörfern erklären sollte. Alle für einen „Vampir“ typischen Kennzeichen ließen sich auf natürliche Ursachen des Körpers zurückführen und erklären, so Michael Ranft.

Ranft verfasste mehrere Dissertationen, unter anderem die „Dissertatio historico-critica de masticatione mortuorum in tumulis (oder: Von dem Kauen und Schmatzen der Toten in Gräbern“). In seiner Dissertation erklärte er Anzeichen für Vampire rational, so z.Bsp. das Kauen und Schmatzen mit Vorgängen der Fäulnis und Geräuschen des Tierfraßes. Die Nicht-Verwesung führt er auf die Umgebung des Grabes sowie der Konstitution des Verstorbenen. Die von Medizinern und anderen Menschen angeblich erkannten Merkmale führte er auf Angst, Aberglaube und eine dadurch überspitzte Einbildungskraft zurück.

Maria Theresia1755 entsandte Maria Theresia, die Erzerzogin von Österreich, ihren Leibarzt Gerard van Swieten nach Mähren, um dem grassierenden Vampir-Glauben nachzugehen. Ähnlich wie Michael Ranft, verfasst van Swieten einen Bericht, der die Ursachen rational erklärte und auf Aberglauben und Nichtwissen zurückführte. Aufgrund der Ausführungen ihres Leibarztes erließ Maria Theresia darauf hin, das traditionellen Abwehrmaßnahmen wie das Pfählen, Köpfen und Verbrennen verboten seien. Außerdem verfügte sie, dass Hinweise auf sogenannte auferstandene Tote ab sofort nicht mehr der Kirche, die dem Aberglauben noch Vorschub leistete, sondern den Behörden zu melden seien. Zur erneuten Überprüfung schickte sie 1756 den deutschen Chirurgen Georg Tallar in die vom Vampirglauben betroffenen Gebiete, um die Lage noch einmal zu untersuchen und einen erneuten Bericht zu verfassen. Tallar's Bericht fiel ebenso wie nüchtern aus, wie der von van Swieten. Hierzu muss auch gesagt werden, dass die Karpaten/Balkan-Region im Gegensatz zu West/Mitteleuropa lange Zeit als rückständig galt, und es daher nicht verwunderte, dass sich v.a. in diesen Regionen der Vampir-Glaube formte und hielt.

Die Kirche, die vermeintlich dem Aberglauben noch Vorschub leistete – so z. B. die Meinung Maria Theresias –, war zumindest zum Teil durchaus aufgeklärt und widersetzte sich den „Maßnahmen“ gegen Vampire. So schrieb Papst Benedikt XIV. einen Antwortbrief auf die Anfrage eines polnischen Erzbischofs, wie man denn gegen die „Vampire“ vorgehen sollte, wobei er bereits auf van Swietens Bericht zurückgreifen konnte. Der Papst, der als fortschrittlich und Förderer der Aufklärung galt, machte in seinem Brief klar, dass er den Vampirglauben für Unsinn hielt und bedeutete dem Erzbischof, dass es an ihm liege, diesen „Aberglauben“ auszurotten. Ebenso legte er ihm nahe, diejenige Priester, die den Aberglauben noch fördern, ihres Amtes zu entheben.

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