Wie aus der vorhergehenden Seite zu entnehmen ist, wurde der Mythos des Vampirs nicht nur durch Aberglauben genährt, sondern auch vielfach durch Unwissenheit. Mit der heutigen Medizin lassen sich viele Krankheiten und Verwesungsumstände erklären, die damals unbekannt oder nur sehr wenigen gebildeten Leuten verständlich waren. Und damit das Ganze nicht zu trocken gerät, könnt ihr das in Form eines Interviews mit dem quirligen Goth Abby (bekannt aus der Serie "Navy CIS") hier nachlesen.

Hi Abby, wie geht's dir?

Soweit ganz gut. Gibbs hat bis jetzt nichts angeschleppt und Ducky ist auf irgendeinem komischen Lehrgang, also kann ich in Ruhe "World of Warcraft" zocken und dabei Rammstein hören. Hast du dir die neue Platte von Rammstein schon angehört?

Äh, ja... aber wir wollten uns ja heute über Vampire unterhalten

Moment, hast du auch die Bezahlung mitgebracht?

Äh, ja... hier (Ich reiche ihr einen monströsen Becher Cola)

Ah, Koffein. Okay, schieß los, was willst du wissen?

Im 18. Jahrhundert wurden ja wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, die auf rationale Weise Erklärungen für den Vampirmythos oder für unnatürliche Verwesung fanden. Und da du eine Frau vom Fach bist, hab' ich mir gedacht, ich hole mal deine Meinung ein.

Verwesung, tolles Thema. Also tote Körper verwesen prinzipiell alle. Aber je nachdem wie und wo die Leichen verwahrt werden, dauert der Verwesungsprozess unterschiedlich lange. Ein Körper an der Luft verwest doppelt so schnell wie ein Körper im Wasser und viermal so schnell wie ein Körper in der Erde. Kurz gesagt: Je mehr äußere Einflüsse umso schneller der Verwesungsprozess. nd wenn eine Leiche in anaerobem (sauerstoffarmem) Milieu begraben war, können nach der Exhumierung die aeroben (sauerstoffbrauchenden) Bakterien den bereits »vorverdauten« Leichnam in wenigen Stunden zersetzen – was bei Unkenntnis dieser Zusammenhänge eine Auflösung durch das Sonnenlicht vermuten läßt. Ähnlich ist es mit den Wachsleichen. In lehmigen oder torfigen Boden fehlt die Sauerstoffzufuhr, weswegen der Verwesungprozess optisch zum Stillstand kommt und die Leiche dadurch sehr frisch aussieht... im ersten Moment.

In manchen Erzählungen war von "Ächzen und Seufzen", die aus den Gräbern kamen, zu lesen... (Abby schaut mich daraufhin milde lächelnd und an ihrer Cola schlürfend an).

Schätzchen, das sind ganz normale Vorgänge in der Verwesung. Bei der körperlichen AUflösung entstehen Gase, wie etwa ein blubberndes Geräusch beim Austreten der Lungenflüssigkeit. Die Gase müssen ja irgendwie entweichen und verursachen dabei eben Geräusche. Ich gebe zu, wer das nicht weißt, wird wahrscheinlich ziemlich schreckhaft darauf reagieren.

Es hält sich ja auch das Gerücht, das Haare und Nägel nach dem Tod noch wachsen...

Das ist Blödsinn. Wobei du natürlich auch den Zeitpunkt "Tod" definieren musst. Medizinisch gesehen ist der offizielle Todeszeitpunkt der Hirntod. Andere Zellen im Körper, z.Bsp. die Bindegewebszellen, können durchaus noch einige Stunden funktionieren. Aber viel Haar oder Nägel können diese Zellen nicht mehr produzieren. Vielmehr ist es so, dass die Haut austrocknet, einschrumpelt und es daher so wirkt, als wären Bart, Nägel, Haare etc. gewachsen. Vor allem Leichen, die besonders trocken gelagert werden, zeigen dieses Phänomen am Stärksten.

Tuberkulose, die Schwindsucht, war ja lange Zeit unbekannt und wurde als Anzeichen für einen Vampir gedeutet...

Und nicht nur das. Da gäbe es noch mehr Krankheiten, die falsch interpretiert werden können. Xeroderma pigmentosum, die Mondscheinkrankheit, wird verursacht durch ein Defekt im Enzym Endocuclease, für den verschiedene Gene verantwortlich sein können. Deswegen sind die Betroffenen sehr empfindlich für das UV-Licht der Sonne und müssen die Betroffenen ja ihr Leben im Dunkeln verbringen. Poryhyrie ist auch so eine Krankheit, die Menschen furchtbar entstellen und für Blässe, Lichtempfindlichkeit, blutige Zähne und blutunterlaufene Augen sorgen. Und dann ist da natürlich noch Anthrax...

Anthrax? Heavy Metal?

Nein, Dummerchen, Anthrax bedeutet Milzbrand und wurde erstmals 1849 nachgewiesen. Nur mit hohen Penicillindosen ist die Krankheit zu bekämpfen und führt immer noch häufig zum Tode. Die beschriebenen Symptome passen perfekt auf Vampir-Infektion: hohes Fieber, rasanter Kräfteverfall, Krämpfe in Brust und Magen, Herzbeschwerden – und Wahnvorstellungen, die durch eine mangelnde Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff entstehen.

(Ich wollte noch weitere Fragen stellen, aber in diesem Moment kam Gibbs, flankiert von DiNozzo herein. Dem Anschein nach hatte Gibbs seinen Morgenkaffee noch nicht getrunken, also machte ich mich schleunigst auf den Weg, und überließ Abby wieder ihrer Arbeit für das NCIS Team).

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