Es ist die Bekannteste aller historischen Vampirgeschichten und sie ereignete sich 1731 in Medvegia, einem kleinen, serbischen Dorf nicht weit von Belgrad entfernt. Es war dieser Vorfall, der den Mythos der Blutsauger letztendlich in die ganze Welt verbreitete.



Doch der Reihe nach. Der Venezianisch-Österreichische Türkenkrieg ging 1717 mit der Schlacht um Belgrad siegreich für Österreich zu Ende. Im Friedensvertrag von Passarowitz 1718 wurde Österreich das Banat, die westliche Walachei, Nordbosnien und das nördliche Serbien zugesprochen (1). Das Machtzentrum in Wien wollte natürlich wissen, was in den besetzten Gebieten vor sich ging und etablierte eine überwiegend militärische Verwaltung.
In Serbien war das Oberkommando, die Zentrale der Verwaltung, in Belgrad. Die Stadt war strategisch bedeutsam als Dreh- und Angelpunkt der Truppenbewegungen. Das Kommando über militärische und zivile Belange in Belgrad hatte der Feldmarschall Prinz Karl Alexander von Württemberg und dessen Stellvertreter Obrist Marquis Botta d’Adorno. Diese beiden Herren wiederum standen in reger Korrespondenz mit dem Hofskriegsrat in Wien. Eine straff organisierte und gleichzeitig flache Hierarchie, die für einen schnellen Informationsaustausch über das gesamte, österreichische Hoheitsgebiet sorgte.

In dem Militär-Stützpunkt in Jagodina ging im Winter 1731 aus dem Dorf Medvegia der Bericht ein, dass über ein Dutzend Menschen innerhalb kurzer Zeit unerklärlich und im Schlafe verstorben sind. Die Personen waren unterschiedlichen Alters gewesen und der zuständige Offizier für die Belange der Ortschaft, Obristleutnant Schnezzer, vermutete eine Seuche. Um dies bestätigt zu wissen, entsandte er den Contagions-Medicus Glaser und befahl ihm eine Untersuchung vor Ort. Glaser kam im Dezember 1731 in Medvegia an und untersuchte zunächst die Bewohner flüchtig auf ansteckende Krankheiten, die vielleicht für das Massensterben verantwortlich waren. Er wurde nicht fündig, doch von den Einwohnern bekam er von einer alten Frau namens Milizia erzählt, die als Schuldige für die Toten angesehen wurde. Wie Glaser in seinem Report schildert, soll die alte Frau zeitlebens von Nachzehrern erzählt haben und darüber hinaus auch das Fleisch eines Schaafes gegessen haben, welches von einem „Vambyren“ gerissen worden sei. Erst nach ihrem Tode sollen die Todesfälle begonnen haben, weswegen die Dorfbewohner annahmen, Milizia habe sich nach ihrem Tode in einen „Vambyren“ verwandelt. Glaser und die mitreisenden Offiziere gaben zunächst nichts auf die Geschichte und taten sie als abergläubisches Geschwätz ab. Die Panik und Angst, welche sich unter den Dorfbewohnern verbreitet hatte, machten Glaser jedoch Sorgen. Aus seinem Report geht hervor, dass die Bewohner vieler Häuser zusammen nächtigten und Einzelne immer Wache schoben. Glaser gab schließlich nach und ließ zehn Gräber verdächtiger Leichen öffnen. Vermutlich wollte der Arzt die aufgeregten Bewohner beruhigen, in denen er ihnen verwesende Überreste präsentierte. Doch als Glaser letztendlich die Leichen sah, war er selbst überrascht. Der Zustand war nicht so, wie er sein sollte. Besonders die bereits erwähnte Milizia verunsicherte ihn. Zeit ihres Lebens soll sie sehr dürr gewesen sein, als Leiche jedoch erschien sie ausgesprochen wohlgenährt. In seinem Report schrieb er wie folgt:

„(…)wäre nothwendig halbs schon ver-weesen zuseyn; allein Sie ware annoch vollkom das Maul offen habend, das helle frische bluth auß Nasen und Maul heraußgeflossen, der leib hoch auf-geblas, und mit bluth unterloffen, Welches mir selbst Suspect vorkommet, und denen Luüthen nicht unrecht geben kann (…)“(2)

Glaser kam die Leiche von Milizia (sowie die Leichname einiger weiteren Toten) also „suspect“ vor. In deutlicheren Worten ausgedrückt: Er war vollkommen ratlos. Anstatt den Leuten ihren Aberglauben auszutreiben, war er selber in Zweifel geraten. Die Dorfbewohner sahen sich nun bestätigt und bedrängten Glaser, die „Vambyre“ endgültig zu vernichten, da sie ansonsten das Dorf aufgeben würden. Glaser war sich bewusst das Medvegia, so nahe an der türkischen Grenze, eine wichtige Ortschaft war. Doch da ein Arzt heute wie damals nicht befugt ist, eine Exekution vorzunehmen – auch wenn die Betroffenen schon tot sind – verfasste er seine Erkenntnisse an Schnezzer und schloss den Bericht mit folgenden Worten ab:

„Dannenhero bitten Sie unterthänig, es möchte doch von einer Löbl: obrigkeit eine execution nach gutt-achten dises malum abzuwenden ergehen , wo selbst ich vor gut halte, umb selbe unterthanen zubefridigen, dieweillen es ein zimbliches grosses dorff ist, dann in re ipsa befindet es sich also.“(3)

Obristleutnant Schnezzer war argwöhnisch, doch da er sich auch nicht zu helfen wusste, überließ er die Entscheidung einer höheren Stelle: Er sandte den Bericht an das Oberkommando nach Belgrad. Von dort aus wurde eine neuerliche Untersuchung, bestehend aus Offizieren und Militärärzten, angeordnet. Die Leitung hatte der Regiments-Feldscher Johann Flückinger, der zudem auch Militärchirug war. Flückinger begann mit seiner Untersuchung am 7. Januar 1732.(4)

Flückinger fand heraus, dass der Ursprung des vermuteten „Vampyrs“ nicht in der alten Milizia lag, sondern in dem ehemaligen Heyducken (Bezeichnung für einen Fußsoldat) Arnont Paole. Der arme Paole kam, wie Flückinger erfuhr, etwa fünf Jahre vor den Sterbefällen, durch einen Sturz von einem Heuwagen ums Leben. Während seinen Lebzeiten hatte Paole öfter davon erzählt, dass er in Gossova im türkischen Serbien von einem Vampir geplagt wurde. Um sich von dem Leid, dass der Vampir über ihn gebracht hatte, zu entledigen, hat er sich mit dessen Blut beschmiert und Erde von dessen Grab gegessen. Nach seinem Tode jedoch schien er selbst zu einem Vampir geworden zu sein. Einige Dorfbewohner soll er aufgesucht haben und letztendlich sollen auch vier Todesfälle auf sein Konto gehen. Wie es Brauch ist, haben die Dorfbewohner 40 Tage nach seinem Tode das Grab geöffnet und fanden seine Leiche unverwest vor. Darüber hinaus sollen Zehen und Nägel gewachsen und aus Mund, Nase und Ohren Blut geflossen sein. Um sich des Vampirs Paole zu entledigen, wurde der Leichnam zunächst gepfählt und anschließend verbrannt bis nur noch Asche übrig blieb. Ebenso verfuhr man mit seinen „Opfern“, um diesen ein vampirisches Leben nach dem Tode zu ersparen.

Vielleicht werden sich nun Einige (auch Flückinger) fragen, wie Paole, wenn er doch nun vernichtet worden war, für den neuerlichen Ausbruch von Vampirismus verantwortlich gemacht werden kann. Nun, wie Flückinger berichtet, soll Paole es nicht nur Menschen das Blut ausgesaugt, sondern auch Vieh gerissen haben. Wohl aufgrund einer Nahrungsmittelknappheit wurde das Fleisch der angefallenen Tiere gegessen – mit dem Nachteil dass alle, die davon aßen, nach ihrem Tode ebenfalls zu Vampiren werden mussten. Flückinger und seine Mitreisenden ließen daraufhin alle Gräber öffnen, deren Leichname angeblich für Vampire in Frage kommen. Ebenso wie Glaser fanden die Offiziere eine unnatürliche Verwesung vor, welche Flückinger in seinem Bericht detailliert aufführt. Flückinger gab nun dem Drängen der Dorfbevölkerung nach. Allen Leichnamen wurde der Kopf abgeschlagen und selbige verbrannt. Anschließend – sicher ist sicher – wurde die Asche der verbrannten Köpfe nicht bestattet, sondern in dem nahe gelegenen Fluss Morova verstreut. Flückinger schloss seine Untersuchungen am 26. Januar 1732 mit seinem Bericht „Visum et Repertum“ („In Augenschein genommen und berichtet“) ab.

Der Bericht ging direkt an D’Adorno, welcher die Ereignisse so bedeutend fand, dass er dem Hofkriegsrat Bericht erstattete. Abschriften der Vorfälle in Medvegia gingen von dort aus nach Preussen, Frankreich und an deutsche Fürsten. Der Seuchenarzt Glaser schickte unabhängig von diesen Vorgängen eine Abschrift seines Berichtes an seinen Vater, der das Ganze in einer Zeitschrift veröffentlichte. Der deutsche Autor Michael Ranft, der bereits 1728(6) ein in Latein gehaltenes Traktat namens „De masticatione mortuorum in tumulis“ veröffentlichte, brachte eine überarbeitete Fassung in deutscher Sprache heraus. Sein Werk „Traktat von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern“ erschien 1734(7) und gilt heute als erstes Sachbuch zum Thema Vampirismus. Der Stein war ins Rollen gekommen. In den folgenden Jahren gab es eine wahre Flut an Dissertationen, Aufsätzen, Untersuchungen und Meinungen zu Vampiren. Und alles begann mit dem Bericht eines Feldoffiziers. Und diesen Bericht, „Visum et Repertum“, möchte ich ihnen, lieber Leser, nicht vorenthalten. Kurzfristig habe ich überlegt, den Text komplett in seinem originalen Wortlaut – wie die oben aufgeführten Zitate aus Glasers Bericht - wieder zu geben, um die Eindrücke von Flückinger nicht zu verfälschen. Das Original benutzt jedoch nicht nur eine heutzutage fremdartig anmutende Grammatik, sondern hat auch viele lateinische Begriffe und damals gängige Abkürzungen. Behutsam habe ich versucht, den Text in eine heute übliche Wortwahl zu übersetzen, ohne ihn dabei jedoch zu verändern. Medizinische Lateinbegriffe wurden in Klammerbemerkungen erläutert, gleichfalls wurden in weiteren Klammerbemerkungen Wörter hinzugefügt, um das Satzbild abzurunden. Der Text ist noch immer eine Herausforderung für heutige Lesegewohnheiten, dennoch stellt er vermutlich das wichtigste Dokument in der Geschichte des Vampirmythos dar.



Bearbeitete Fassung von "Visum et Repertum" (8)

Visum et Repertum
Über die so genannte Vampyrs oder Blut-Aussauger, so zu Medvegia in Serbien, an der türkischen Grenze, den 7. Januar 1732 geschehen.

Nachdem die Anzeichen bestehen, das in dem Dorf Medvegia, die sogenannten Vampyre, einige Personen durch das Aussaugen des Blutes umgebracht haben sollen, bin ich also, auf hohe Verordnung eines allhiesigen löblichen Oberkommandos, um die Sache vollständig zu untersuchen, nebst den dazu abkommandierten Offizieren und 2 Unterfeldschern dahin abgeschickt, und gegenwärtige Inquisition im Beisein der Stallater Heyducken Capitain Gorschiz, Hadnack, Bariactar und ältesten Heyducken des Dorfes folgendermaßen vorgenommen und abgehört worden.

Welche dann einhellig aussagten, dass vor ungefähr 5 Jahren ein hiesiger Heyduck namens Arnont Paole sich durch einen Fall von einem Heuwagen den Hals gebrochen; dieser hatte bei seinen Lebzeiten sich öfters verlauten lassen, dass er bei Gossowa im türkischen Serbien von einem Vampyr geplagt worden sei; daher habe er von der Erde des Vampyrgrabes gegessen und sich mit dessen Blut geschmiert habe, um von der erlittenen Plage entledigt zu werden. 20 oder 30 Tage nach seinem Todesfall haben sich einige Leute beklagt, dass Sie von dem gedachten Arnont Paole geplagt wurden, wie dann auch wirklich 4 Personen von ihm umgebracht worden. Um nun dieses Übel einzustellen, haben sie auf Einrathen ihres Hadnacks, welcher schon vorher bei dergleichen Begebenheiten gewesen (war), diesen Arnont Paole in beiläufig 40 Tagen nach seinem Tod ausgegraben, und gefunden, dass Er ganz vollkommen und unverwesend sei, auch ihm das frische Blut zu den Augen, Nasen, Mund und Ohren herausgeflossen; das Hemd, Übertuch und Truhe ganz blutig gewesen und die alten Nägel an Händen und Füssen samt der Haut abgefallen und dagegen neue andere gewachsen sind. Weil sie nun daraus ersehen, dass er ein wirklicher Vampir sei, so haben sie demselben nach ihrer Gewohnheit einen Pfahl durchs Herz geschlagen, wobei er einen wohlvernehmlichen Geächzer getan und ein häufiges Geblüt von sich gelassen (habe). Wobei sie den Körper gleich selbigen Tages gleich zu Asche verbrannten und solche in das Grab geworfen (haben). Ferner sagen gedachte Leute aus, dass alle diejenigen, welche von denen Vampyren geplaget und umgebracht würden, ebenfalls zu Vampyren werden müssen, also haben sie die 4 (oben genannten) Personen auf gleiche Art exekutiert. Dann fügen sie auch hinzu, dass diese Arnont Paole nicht allein die Leute, sondern auch das Vieh angegriffen, und ihnen das Blut ausgesaugt habe. Weilen nun die Leute das Fleisch von solchem Vieh genutzt, so zeiget sich aufs Neue, dass sich widerrum einige Vampir(e) allhier befinden, allermassen in Zeit von 3 Monaten 17 junge und alte Personen mit (dem) Tod abgegangen, worunter einige ohne vorher gehabte Krankheiten in 2 oder längstens 3 Tagen gestorben. Dabei meldet der Heyduck Jovitza, dass seine Schwiegertochter namens Stanoika vor 15 Tagen frisch und gesund sich schlafen geleget, um Mitternacht aber ist sie mit einem entsetzlichen Geschrei, Furcht und Zittern aus dem Schlaf aufgefahren und geklaget, dass sie von einem, vor 9 Wochen verstorbenen, Heyducken Sohn namens Milloe um den Hals gewürget worden, worauf sie einen grossen Schmerzen auf der Brust empfunden und von Stund zu Stund sich schlechter befunden, bis sie endlich den dritten Tag gestorben.
Hierauf sind wir denselbigen Nachmittag auf den Friedhof, um die verdächtigen Gräber eröffnen zu lassen, nebst denen oft gemeldeten Heyducken des Dorfes ausgegangen, die darinnen befindlichen Körper zu visitieren, wobei nach sämtlichen Sezierungen sich gezeiget:

1) Ein Weib namens Stana, 20 Jahre alt, so vor 2 Monaten nach einer 3tägigen Krankheit ihrer Niederkunft gestorben, und vor ihrem Tod selbst ausgesaget, dass sie sich mit dem Blut eines Vamprys gestrichen hätte, folglich sowohl sie als ihr Kind, welches gleich nach der Geburt gestorben, und durch leichtsinnige Begräbnis von den Hunden bis auf die Hälft verzehrt worden, ebenfalls zu Vampyren werden müssen; war ganz vollkommen und unverwest; nach dem Öffnen des Körpers zeigte in cavite pectoris („in der Brusthöhle“) eine Quantität frisches extravasirtes („aus den Adern frisch getretenes“) Geblüts; die Gefäße der Arterien und Venen nebst denen ventriculis cordis („Herzkammern“) waren nicht, wie es sonst gewöhnlich, mit coaguliertem („geronnenem“) Geblüt implieret („gefüllt“); die sämtliche Viscera („Eingeweide“) wie Pulmo, Hepar, Stomachus, Lien et Jntestina („Lunge, Leber, Herz, Magen, Milz und Gedärme“) waren dabei ganz frisch gleich bei einem gesunden Menschen, der Uterus („Gebärmutter“) aber befand sich ganz groß und extern sehr inflamieret („äußerlich“, „entzündet“), weilen Placenta, als auch Lochien bei ihr geblieben, daher selbiger pudretine („in völliger Fäulnis“); die Haut an Händen und an Füssen, samt den alten Nägeln fielen von sich selbst herunter, hergegen zeigeten sich nebst einer frischen und lebhaften Haut, ganz neue Nägel.

2) Ware ein Weib namens Milizia, beiläufig 60 Jahre alt, welche nach dreimonatiger Krankheit gestorben, und vor 90 und etlichen Tagen begraben worden; in der Brust befand sich viel liquides („flüssiges“) Geblüt, die übrige Viscera waren gleich der vorgemeldeten in einem guten Stand. Es haben sich bei der Sezierung die umstehenden überen ihren fetten und vollkommenen Leib sehr verwundert, einhellig aussagend, dass sie das Weib von ihrer Jugend auf wohl gekennet, und Zeit ihres Lebens ganz mager und ausgedörrt ausgesehen, und gewesen, mit nachdrücklicher Vermeldung, dass Sie in dem Grab zu eben dieser verwunderungswürdigen Fettigkeit gelangt sei, auch deren Leute Aussage nach, sollen sie jetziger Zeit den Anfang der Vampyren gemacht haben, zumalen sie das Fleisch von denen Schaafen, so von denen vorhergehende Vampyren umgebracht worden, gegessen haben.

3) Befand sich ein 8tägiges Kind, welches 90 Tage im Grab gelegen, gleichermaßen im Vampyren-Stand.

4) wurde ein Heyducken Sohn Milloe, 16 Jahre alt, ausgegraben, so 9 Wochen in der Erde gelegen und nach 3tägiger Krankheit gestorben, gleich den anderen Vampiren gefunden

5) Ist der Joachim, auch eines Heyducken Sohn, 17 Jahre alt, in 3tägiger Krankheit gestorben, nachdem er 8 Wochen und 4 Tage begraben gewesen, befand sich bei der Section gleichergestalten.

6) Ein Weib namens Ruscha, welche nach 10tägiger Krankheit gestorben und vor 6 Wochen begraben worden, bei welcher auch viel frisches Geblüt nicht allein in der Brust, sondern auch in fundo ventriculi („im Magen“) gefunden habe, gleichfalls bei ihrem, so 18 Tage alt war, und vor 5 Wochen gestorben, sich gezeigt hat.

7) Nicht weniger befand sich ein Mägdlein von 10 Jahren, welche vor 2 Monaten gestorben, in obangezogenem Stande ganz vollkommen und unverwesend und hatte in der Brust viel frisches Geblüt.

8) Hat man des Hadnacks Eheweib samt ihren Kind ausgraben lassen, welche vor 7 Wochen, ihr Kind aber, so 8 Wochen alt war, und vor 21 Tagen gestorben, dabei aber gefunden, dass sowohl die Mutter als Kind völlig verwest, obwohl sie gleich der Erden und Gräber deren nächst gelegenen Vampyren gewesen waren.

9) Ein Knecht des hiesigen Heyducken Corporals namens Rhade, 23 Jahre alt, ist in 3monatiger Krankheit gestorben und nach 5wöchentlicher Begräbnis völlig verwest gefunden worden.

10) Des hiesigen Bariactars sein Weib, samt ihrem Kind, so vor 5 Wochen gestorben, waren gleichermaßen völlig verwesen.

11) Bei dem Stancko, ein Heyduck, 60 Jahre alt, so vor 6 Wochen gestorben, habe ich ein häufiges gleich denen anderen liquides Geblüt in der Brust und Magen gefunden, das ganze Corpus war in oft benanntem Vampyr-Stand

12) Milloe, ein Heyduck, 25 Jahre alt, so 6 Wochen in der Erden gelegen, befand sich in gleich in anhgemelten Vampyr-Stand.

13) Stanjoicka, eines Heyduck Weib, 20 Jahre alt, ist in 3tägiger Krankheit gestorben und vor 18 Tagen begraben worden, bei der Sezierung habe ich gefunden, dass Sie in dem Angesicht ganz rot und lebhafter Farbe war, und wie oben gemeldet, Sie von des Heyduckens Sohn namens Miloe am Hals gewürget worden, sich auch augenscheinlich gezeiget, dass sie (auf der rechten) Seite unter dem Ohr einen blauen, mit Blut unterlaufenen Fleck eines Fingers lang gehabt, bei Herausnehmen ihres Grab floss eine Quantität frisches Geblüt aus der Nase, nach der Sezierung fand ich, wie schon oft gedacht, ein recht balsamisches frische Geblüt nicht allein in der Brust(höhle), sondern auch in Ventriculo Cordis („Herzkammer“), die sämtlichen Viscera waren in vollkommenen gesunden und guten Stand, die untere Haut des ganzen Körpers samt denen frischen Nägeln an Händen und Füssen waren gleichfalls ganz frisch.

Nach geschehener Visitation sind denen sämtlichen Vampyren die Köpfe durch die dasigen Zigeuner herunter geschlagen und samt denen Körpern verbrennt, die Asche davon in den Fluss Morava geworfen, die verwesenen Leiber aber widerrum in ihre vorgehabten Gräbern gelegt worden.
Welches hiermit nebst denen mir zugegebenen Unterfeldscherer bekräftigen.
Actum ut supra („So geschehen wie oben berichtet“)

(L.S.) Joh. Flückinger, Regiment-Feldscherer, Löbl. b. Fürstenbusch: Regiment zu Fuß
(L.S.) J.H. Siegell, Feldscherer von Löbl. Marullsch. Regiment.
(L.S.) Johann Frid. Baumgarten, Feldscherer Löbl. Fürstenbusch. Regiment zu Fuß

Wir Endes Unterschrieben attestieren hiermit, wie das alles dasjenige, so der Regiments-Feldscherer von Fürstenbusch Löblichen Regiment samt beiden neben unterzeichneten Feldscherer-Gesellen hier oben denen Vampyren betreffend, in Augenschein genommen, in allen und jeden der Wahrheit gemäß und in unserer selbst eigener Gegenwart vorgenommenen, visitiert und examiniert („untersucht und geprüft“) worden. Zur Bekräftigung dessen ist unsere eigenhändige Unterschrift und Fertigung.

(L.S.) Büttener, Obrist Lieutenannt des Löbl. Alexandrischen Regiments
(L.S.) J. H. von Lindenfels, Fenderich Löbl. Alexandrischen Regiments



Unbearbeitetes Original von "Visum et Repertum" (9)

Visum et Repertum

Über die so genannte Vampyrs, oder Blut außsaugers, so zu Medvegya in Servien, an der türkischen Gräniz den 7. Jan. 1732. geschehen. Nachdeme die anzaigen beschehen, das in dem D. Medvegya, die soge-nannte Vampyrs, einige Persohnen, durch aussaugung des Bluts umbgebracht haben sollen: Als bin ich (auf hohe Verordnung eines allhiesigen Löbl. Obercommando), umb die Sach vollständig zuuntersuchen, nebst darzu commandirten Hrr: Officirn und 2. unterfeldscheerern dahin abgeschikht, und gegenvärtige Inquisition in beyseyn des der Stallater Heyduckhen Capitain Gorschiz, Hadnack, Barjactar und ältesten Heyduckhen des dorffs folgendermaßen vorgenohmen und abgehört worden. Welche dan einhellig außaag, das vor ohngefehr 5. Jahren ein hiesig Heyduckh nahmens Arnont Paole sich durch einen Fall von einem Heüewag(en) den Hals gebroch(en), dieser hat bey seine lebs-zeiten sich öffters verlauten laßen, das er bey Cossova in dem Türkischenn Servien von einem Vampyren geplagt worden seye, dahero Er von der Erden des Vampyrs grab gegeßen, und sich mit deßen blut geschmiret habe, umb von der er-littenen Plag entledigt zuwerden, in 20. oder 30. Täg(en) nach seinem Todfall haben sich einige leüthe geklaget, das Sie von ged:nd Arnont Paole geplagt wurden, wie dan auch würkhl: 4. Per - sohnen von Ihme umgebracht worden. Umb nun dieses übel einzustellen, haben Sie auf einrathen Jhres Hadnacks /: welcher schon vorhin bey degleich begebenheiten gewesen :/ disen Arnont Paole, in beyläuffig 40. Täg(en) nach seinem Todt ausgegraben, und gefunden, das Er ganz voll-kommen und unverwesen seye, auch Jhme das frische bluth zu denen Augen, Nasen, Mund, und ohren herausgefloßen, das Hemmt, übertuch und Truhen ganz blutig gewesen, die alte Nägl an Händen und Füßen, sambt d(er) Haut abgefallen, und dargeg(en) ander neüe gewachsen seye, weilen Sie nun daraus ersehen, das Er ein würckhlicher Vampyr seye, so haben Sie denselben nach Jhrer gewohnheit einen Pfahl durch das Herz geschlagen, worbey Er ein wohlvernehmlich Grächazer gethan, und ein häuffiges geblüt von sich gelaßen, worauf Sie den Cörper gleich selbig Tagt zu Aschen verbrennt, und solche in das grab geworffen. Ferners sag(en) obged: Leüthe aus, das alle die jenige/: welche von den Vampyrs geplagt, und umbgebracht würden:/ ebenfalls zu Vampyrs werden müßen, also haben Sie die obberührten virn Persohnen auf gleiche arth exequirt, dann füg Sie auch hinzu, das diser Arnont Paole nicht allein die Leüth, sond(ern) auch das Vieh ange-griffen, und Jhnen das blut außgesauget habe. weilen die Leüth das Fleisch von solch(em) Vieh genuzet, so zeiget sich aufs neüe, das sich widerumben einige Vampyrs alhiren befinden, allermaßen in Zeit 3.n Monathen .17. Jung, und alte Persohnen mit Todt abgegang(en), worunter einige ohne vorhero gehabten Krankheit in zweyen od(er) längstens dreyen Tag gestorben, darbey meldt der Heyduckh Jovitza, das seine Schwiegern Tochter, nahmens Stanoika, vor 15. Täg frisch und gesund sich Schlafen geleget, umb mitternacht abern ist Sie mit einem entsetzlich(en) geschrey, Forcht und Zittern aus dem Schlaff aufgefahren, und geklaget, das sie von einem vor 9. woch(en) verstorbenen Heyduckhens Sohn Nahmens Milloè seye umb den Halß gewürget worden, worauf Si großen Schmertzen auf d(er) Brust empfunden, und von stund zu stund sich schlechter befunden, biß sie endlich(en) den 3. Tag ge-storben.
Hierauf seynd wir denselbig(en) nachmittag auf den Freydhoff, umb die verdächtige gräbern eröffnen zu laßen, nebst denen offt gemelten altesten Heyduckh(en) des Dorffs ausgegang(en), die darinnen sich befindlich:(en) Cörper zuvisitiren, worbey nach sambtelichen Se-cirung sich gezeiget.

1.mo Ein Weib, Nahmens Stana, 20. Jahr alt, so vor 2. Monathen nach einer 3. Tägig(en) Krankheit Jhrer niderkunft gestorben, und vor Jhrem Todt selbsten ausgesaget, das sie sich mit dem Blut eines Vampyrs gestrich(en) hätte, folglich sowohl Sie als Jhr Kind/: welches gleich nach d(er) geburth gestorben, und durch leichtsinnige begräbnus von denen Hunden biß auf die Helffte verzehret worden:/ ebenfalls Vampyren werden müssen, ware ganz vollkommen, und unverwesen, nach eröffnung des Cörpers zeigete sich in cavitate pectoris eine quan-tität frisches extravasirtes geblüeth, die Vasa, als arteriae et Venae nebst denen Ventriculis cordis waren nicht/: wie es sonsten gewöhnlich:/ mit coagulirtem geblüeth impliret, die sambtlichen Viscera, als Pulmo, Hepar, Stomachus, Lien et Jntestina (11) waren darbey ganz frisch gleich bey einen gesunden Menschen, der Uterus (12) aber befande sich ganz groß und externe sehr inflammiret, weilen placendam, alß auch die Lochias bey Jhr geblieben, dahero selbiger putredine ware, die haut an händen und Füßen, sambt den alten näglen fielen von sich selbsten herunter, herentgegen zeigeten sich nebst einen frischen und Lebhafften haut, ganz Neüe Nägl.
2.do ware ein Weib, Nahmens Militza, beyläuffig 60. Jahr alt, wel-che nach 3. Monathlich:(er) Krankheit gestorben, und vor etlich und 90. Täg(en) begraben worden, in der Brust befande sich viel liqui-des geblüet (15), die übrige Viscera waren gleich d(er) vorgemelten in einem guten stand, es haben sich bey d(er) Secirung die umbstehenden sambtliche Heyduckhen über Jhre Fette, und vollkommenen Leib sehr verwundert, einhellig außagend, das sie daß weib von Jhrer Jugend auf wohl gekennet, und Zeit Jhres Lebens ganz mager und ausgedörter außgesehen, und gewesen, mit nach-drüklicher vermeldung, das Sie in dem grab zu eben diser verwunderungs würdig(en) Fettigkeit gelanget seye, auch d(er)en Leüthen außaag nach, sollen si Jetzig(er) Zeit den anfang d(er)er Vampyren gemacht haben, zumalen Sie das Fleisch von denen Schaffen, so von denen vorhergehenden Vampyren umbgebracht worden, gegeßen hat.
3. tio befande sich ein acht Tägiges Kind, welches . 90. Tag im grab geleg(en), gleichermaßen im Vampyren stand.
4.to wurde Ein Heyduckh(en) Sohn Milloè 16. Jahr alt, außgegraben, so .9. woch(en) in d(er) Erden geleg(en), und nach 3. Tägiger Krankheit gestorben, gleich den and(ern) Vampyren gefunden.
5.to ist d(er) Joachim, auch eines Heyduckh Sohn .17. Jahr alt, in 3. Tägig(er) Krank-heit gestorben, nachdeme Er 8. woch(en) und 4. Tag begraben gewesen, befande sich bey der Section gleichergestalten.
6.to Ein Weib, Nahmens Ruscha, welche nach 10. Tägig(er) Krankheit gestorben, und vor 6. woch(en) begraben worden, bey welcher auch vill frisches geblüet nicht allein in d(er) Brust, sond(ern) auch in fundo ventriculi (16) gefunden habe, gleich-falls bey Jhrem Kind, so .18. Täg alt ware, und vor 5. woch(en) gestorben, sich gezeiget hat.
7.no nicht wenig(er) befande sich ein Mägdlein von 10. Jahren, welche vor 2. Monathen (17) gestorben, in obangezogenem stande ganz vollkommen und un-verwesen, und hatte in d(er) Brust viles frisches geblüeth.
8.oo hat Man des Hadnacks Eheweib sambt Jhren Kind außgraben laßen, welche vor 7. Woch(en) Jhr Kind aber so 8. Woch(en) alt ware, und vor 21. Täg(en) gestorben, darbey aber gefunden, das sowohl die Mutter als Kind völlig verwesen, obwohlen Sie gleich d(er) Erden und gräber d(eren) nächst gelegenen Vampyren gewesen waren.
9.no Ein Knecht des hiesigen Heyduckh(en) Corporals, Nahmens Rhade .23. Jahr alt, ist in 3. Monathlicher Krankheit gestorben, und nach 5. wochent-licher begräbnus völlig verweesen gefunden worden.
10.mo Des hiesig(en) Bariactars sein weib, sambt Jhren Kind, so vor 5. Woch(en) gestorben, waren gleichermassen völlig verweesen.
11.mo bey dem Stancko, Ein Heyduckh 60. Jahr alt, so vor 6. Woch(en) gestorben, habe ich ein häuffiges gleich denen and(ern) liquides geblüeth in d(er) Brust und Mag(en) gefunden,, d(as) ganze Corpos ware in offtbenannten Vamyren stand.
12.mo Miloè Ein Heyduckh 25. Jahr alt, so 6. woch(en) in d(er) Erden gelegen, befande sich gleich in anhgemelten Vampyren stand.
13.tio Stanjoicka, eines Heyduckh Weib, 20. Jahr alt, ist in 3. Tägig(er) Krank-heit gestorben und vor 18. Täg(en) begraben worden, bey d(er) Secirung habe ich gefunden, das Sie in dem angesicht ganz roth, und Lebhafter Farb ware, und wie oben gemelt, Sie von des Heyduckhens Sohn, Nahmens Miloè seye umb Mitternacht umb den Halß gewürget worden, sich auch aug(en)scheinlich gezeiget, das Sie Rechter Seithen unter dem ohr einen blauen mit Blut unterloffenen Fleckh eines Fing(ers) langs gehabt, bey Herausnehmung Jhres grabs floße eine quantität frisches geblüeth aus d(er) nasen, nach d(er) Secirung fande ich /: wie schon oft ge-dacht :/ ein rechtes balsamisches frisches geblüeth nicht allein in d(er) höl d(er) Brust, sond(ern) auch in Ventriculo Cordis (18), die sämtlichen Viscera befanden sich in vollkommenen gesunden und guten Statu, die untere Haut des ganzen Cörpers (s)ambt denen frischen nägln an Händen und Füssen waren gleichfalls ganz frisch.

Nach geschehener Visitaon seynd denen sambentlich(en) Vampyren die Köepf durch die dasige Zigeüners herunter geschlag(en), und sambt denen Cörpern verbrennt, die aschen davon in den Fluß Morova geworffen, die verwesene Leibern aber widerumb in Jhre vorge - habte gräbern geleget worden.

Welches hiemit nebst denen mir zugegebenen unterfeldscherer bekräftigen. Actum ut supra (19).
(L: S: Joh: Flückinger, Regts Feldscherer, Löbl: Baron Fürstenbusch: Regmts zu Fueß.
(L: S: Siegell (20), Feldscherer von Löbl: Marullsch: Regt.
(L: S: Johann Frid: Baumgarten, Feldscherer Löbl: obrist Bar: Fürstenbusch: Regt zu Fueß.

Wir Ends unterschribene attestiren hiemit, wie das alles das jenige, so d(er) Regts Feldscherer von Fürstenbuschichen Löbl: Regt, sambt beyden neben unterzeichneten Feldscherers gesellen hiroben denen Vampyren betreffend, in augenschein genohmen, in allen und jeden d(er) Wahrheit gemäß, und in Unserer selbst eigener gegenwarth vorgenohm-en, Visitiret, und examiniret (21) worden, zur deßen Bekräfftigung ist Unsere aigenhändige unterschrift und Fertigung. Belgrad, den 26.n Jan: 1732.
(L : S : Büttner oberLeüth: Löbl: Alexandersch : Regts
(L. S: JH v Lindenfels, Fähnrich Löbl: Alexandsch: Regts



Einzelnachweise:

1 Universal Lektion, 2012, Stichwort „Frieden von Passarowitz“

2,3 Glaser, zitiert nach Nicolaus Equiamicus, „Vampire: Von damals bis(s) heute“, 2010, S. 4 ff

4 Aribert Schröder, „Vampirismus. Seine Entwicklungen vom Thema zum Motiv“, 1973, S. 48

5 Aribert Schröder, „Vampirismus. Seine Entwicklungen vom Thema zum Motiv“, 1973, S. 51

6 Michael Ranft in einer Bearbeitung von Nicolaus Equiamicus,
„Traktat von dem Kauen und Schmatzen der Toten in Gräbern“, 1734/2006, S. 4

7 Michael Ranft in einer Bearbeitung von Nicolaus Equiamicus,
„Traktat von dem Kauen und Schmatzen der Toten in Gräbern“, 1734/2006, S. 5

8 Johann Flückinger „Visum et Repertum“, 1732, bearbeitet nach
Nicolaus Equiamicus, http://equiamicus.blogspot.de/2010_08_01_archive.html, Stand: 20. Oktober 2013
Markus Heitz, „Vampire! Vampire!“, 2008, S. 42 ff
Dieter Sturm & Klaus Völker, „Von denen Vampiren“, 1968/1994, S. 451 ff

9 Johann Flückinger „Visum et Repertum“, 1732, Unbearbeitetes Original:
Nicolaus Equiamicus, http://equiamicus.blogspot.de/2010_08_01_archive.html, Stand: 20. Oktober 2013

sowie

Gottfried Kirchner, "Terra X: Schatzsucher, Ritter und Vampire", 1995, S. 130 ff.
Norbert Borrmann, "Vampirismus oder die Sehnsucht nach Unsterblichkeit", 1998, S. 52 ff.
Markus Heitz, "Vampire! Vampire!, 2008, S. 37 ff.



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