Wesen, die aus ihrem Grab auferstehen; Untote und Widergänger begleiten Mhyten, Legenden, Erzählungen und Geschichten noch bevor es niedergeschrieben wurde. Wenn man aber von einem Vampir (oder auch Vampyr) spricht - zumindest so wie wir ihn heute kennen - ist die literarische Entwicklung noch vergleichsweise jung.

1819 erschien die Vampirgeschichte "The Vampyre" von John William Polidori, einem Freund von Lord Byron und Frankenstein-Autorin Mary Shelley. Polidori gab jedoch an, die Geschichte würde auf Entwürfen von Lord Byron basieren und sei auch an diesen angelegt. In "The Vampyre" geht es um den Adligen Lord Ruthven, der zwar mit seinem kultivierten Benehmen und seiner Melancholie ein wenig an Vampire erinnert, wie sie später immer wieder beschrieben werden, aber ansonsten herzlich wenig Vampirisches an sich hat. Man könnte den umherreisenden und Damen betörenden Lord Ruthven eher als Romantiker abtun. Interessanterweise wird es auf den letzten Seiten der Geschichte verraten, dass Ruthven ein Vampir ist - was sich angesichts des Geschichtentitels aber nicht als großartig überraschend herausstellen dürfte.
Um 1845 erschien die Heftroman-Reihe "Varney the Vampire: Or the feast of blood" welche bereits in ihrem Titel etwas deftiger zu Werke ging. "Varney" brachte es auf insgesamt 109 Hefte mit 220 Kapiteln (wobei die früheren Groschenromane WESENTLICH dünner waren als die heute Erhältlichen).

Die Keimzelle der Vampirgeschichten führen Experten auf die Novelle "Camilla" des irischen Dichters Sheridan Le Fanu, erschienen 1872, zurück. In "Camilla" geht es um die 19jährige Laura, welche mit ihrem pensionierten Vater und einigen Bediensteten auf einer abgelegenen Burg in der Steirermark lebt. Eines Abends erscheint eine Reisekutsche und eine ältere Dame bittet um Gastfreundschaft, da ihre kränkliche Tochter nicht weiterreisen könne. Camilla, besagtes Mädchen, ist außerordentlich bleich und entwickelt eine recht besitzergreifende Liebe zu Laura. Laura ist von dieser Liebe sowohl angewidert als auch erregt. Unerklärlicherweise wird Laura jedoch von Tag zu Tag schwächer und kränklicher. Als ein Gemälde einer Vorfahrin von Laura's Vater eintrifft, erschrickt dieser: Die Frau auf dem Bild sieht aus wie Camilla...

Unsterblichkeit, ewige Jugend, besitzergreifende Liebe, Erotik bis hin zu der Vernichtung des Vampirs am Ende - Fanu's Geschichte deckt so ziemlich alles ab, was noch bis heute in Vampirgeschichten niedergeschrieben wird. Dennoch ist "Camilla" eine recht unbekannte Geschichte und wurde erst im letzten Jahrhundert unter Vampir- und Literaturfreunden zu einem kleinen Kultobjekt. Wesentlich bekannter ist da schon "Dracula" von Bram Stoker. Der 1897 erschienene Roman hat das Vampirgenre definiert wie kein Roman nach und vor ihm. Dracula, Fledermaus, Transilvannien - das sind noch heute Bilder, die vielen bei dem Wort "Vampir" durch den Kopf gehen. Die Geschichte ist zwar bekannt, hier jedoch nochmal in Kurzfassung: Der Immobilienmarker Jonathan Harker wird von dem Grafen Dracula auf dessen Schloss in die Karparten eingeladen, da der Graf vor hat, in London eine Wohnung zu beziehen. Der Graf jedoch hält Harker gefangen und reist - eine Blutspur hinterlassend - nach England und macht dort Harker's Verlobte Mina den Hof...

Interessanterweise sollte ein Detail erwähnt werden, welches nur allzu gerne verschwiegen wird: In all diesen Romanen und Geschichten ist die Aktivität eines Vampirs keinesfalls ausschließlich auf die Nacht beschränkt. Dracula unternimmt in der Mittagssonne einen Spaziergang in London und auch Camilla hat mit dem Tageslicht kein Problem. Das Problem mit dem Sonnenlicht wird erstmals 1922 in dem Filmklassiker "Nosferatu" erwähnt. Dracula sollte lange Jahre das Bild des Vampirs prägen. Ins Wandel kam dieses Bild so richtig erst mit Anne Rice's Vampirzyklus "Die Chroniken der Vampire", welche mittlerweile 10 Bände umfasst und zu der erfolgreichsten, zeitgenössischen Literatur zählt. Zu den bekanntesten Werken des 20. Jahrhundert dürfte noch die "Black Dagger" Reihe (J.R. Ward), die "Twilight" Saga (Stephenie Meyer), "Brennen muss Salem" (Stephen King), "Kinder der Nacht" und "Kraft des Bösen" (Dan Simmons) gehören.



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