So unüberschaubar wie die Werke über Vampire sind, so facettenreich fallen auch die Auslegungen über die Darstellungen der beteiligten Blutsauger aus. Dennoch gingen viele Künstler in einem unausgesprochenen Pakt dazu über, einige Eigenschaften zu übernehmen, so dass sich doch im Gesamten ein recht homogenes Bild über die Blutsauger zeichnen lässt. Wie auch bei allen anderen Abteilen sei darauf hingewiesen, das stets nur Beispiele genannt werden und daher kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht.



Der Vampir im Allgemeinen

Als Vampir im allgemeinen wird ein Untoter oder Widergänger bezeichnet. In den häufigsten Fällen war der Vampir ursprünglich ein Mensch, der durch einen anderen Vampir (oder durch einen dämonischen Pakt) verwandelt wurde. Im Gegensatz zu anderen Untoten, wie etwa den Zombies, setzt kein körperlicher Verfall ein, gleich in vielen Werken bei nicht ausreichender Blutzufuhr von verwesungs-artigen Zuständen die Rede ist (Dracula, Underworld, Vampire Diaries, Anne Rice' Romane etc.).



Das Thema Sonnenlicht

In nahezu jedem Werk über Vampire wird das Licht der Sonne thematisiert. In "Dracula" von Bram Stoker ist von einer Schwächung am Tag die Rede, wodurch der Graf seine übermenschlichen Fähigkeiten nur bedingt einsetzen kann. Weit verbreitet ist auch das "zu Staub zerfallen". Anders als oft vermutet, geht dies jedoch nicht auf den Roman "Dracula" zurück, sondern auf die davon abweichende Verfilmung "Nosferatu" (1922) des deutschen Regisseurs Murnau. Seitdem wird das "zu Staub zerfallen" häufig in Filmen und (weit seltener als man denkt) in Büchern angewendet. Eine modernere und filmisch eindrucksvolle Variante davon ist "das Verbrennen". In diesem Fall verbrennt ein Vampir im Sonnenlicht unter ähnlichen Qualen wie ein Mensch im lodernden Feuer. In den letzten Jahren gingen Filmemacher dazu über, ihre Vampire vor dem Sonnenlicht zu schützen. In "Blade" verbrennt der titelgebende Vampir nicht, da er zur Hälfte Mensch ist. In den Serien "Buffy", "Angel" und "Vampire Diaries" erfüllen magische Amulette oder Ringe eine Schutzfunktion.



Das Thema Blut

Blut spielt eine zentrale Rolle in wirklich JEDEM Werk über Vampire. Blut ist für das Funktionieren des menschlichen Körpers unabdingbar. Neben dem Transport von Sauerstoff und Nährstoffen sowie dem Abtransport von Kohlenstoffdioxid und Harnstoffen sorgt das Blut innerhalb des Immunsystems für Abwehr gegen Fremdkörper und für eine konstante Wärmeregulierung der Körpertemperatur. Blut dient dem Vampir als Nahrungsmittel. Nimmt ein Vampir kein Blut zu sich, so muss er "verhungern" und sterben oder fällt zumeist in einen mumien-artigen Zustand. Obwohl sich Vampire durchaus in vielen Werken auch von tierischem Blut ernähren können, so scheint menschliches Blut doch die bevorzugte Speise zu sein. Neben dem Bedürfniss nach Nahrung wird auch oft von einem Rauschzustand erzählt, ähnlich einer Droge. Um an das Blut ihrer Opfer zu gelangen haben Vampire meist ausgeprägte Eck- oder (seltener) Schneidezähne um ihre Opfer zu beißen. In der realen Natur gibt es übrigens nur wenige Tiere, die sich ganz oder teilweise von Blut ernähren: eine davon ist die, in Amerika beheimatete, Vampirfledermaus (Desmodontinae).

Klugscheisserische Anmerkung: Das Blut als Nahrung für Vampire unablässig ist, steht in nahezu allen Werken außer Frage. Auf die Menge und die Häufigkeit des Blutgenusses wird dabei erstaunlicherweise nie eingegangen. In vielen Filmen und Büchern wird ein Mensch vollständig leer gesaugt. Da der menschliche Körper eines Erwachsenen im Durchschnitt zwischen 5-6 Liter Blut enthält, eine üppige Mahlzeit (versucht spaßeshalber mal 6 Liter dickflüssige Suppe zu löffeln!). Offenbar jedoch können Vampire auch ziemlich lange in Askese leben, ansonsten ist es wohl kaum zu erklären das Edward Cullen ("Twilight") und Angel ("Angel", "Buffy") monatelang nur von der sicherlich sehr geringen Blutmenge von Nagetieren überleben können.



Stärken eines Vampirs

Vampire werden oft übermenschliche Fähigkeiten zugesprochen: Die physikalischen Gesetze sind für sie nicht zwingend notwendig (Dracula klettert mühelos an seiner Schlosswand hoch), erstaunliche Reflexe und Schnelligkeit (nahezu alle Vampirserien) und gestaltwandlerische Fähigkeiten (Z.Bsp. in eine Fledermaus, Dracula, Vampire Diaries). Darüberhinaus sind Vampire nahezu unverwundbar gegen alles: Feuer, Wasser, eisige Kälte, große Hitze, verpestete Luft, Schusswaffen, Stichverletzungen, Stürze aus großer Höhe, Knochenbrüche etc. Desweiteren haben Vampire die Möglichkeit, anderen Lebewesen ihren Willen aufzuzwingen. Ein weiteres Thema ist die Unsterblichkeit bzw. Unvergänglichkeit. In vielen Vampir-Werken altert der Körper ab Zeitpunkt der Verwandlung in einen Vampir nicht mehr.



Schwächen des Vampirs

Neben der oben erwähnten Aversion gegen das Sonnenlicht, kann dem Vampir in vielen Werken nur durch die Enthauptung oder durch einen Pflock ins Herz der Tod gebracht werden (warum das allerdings so ist, schweigen sich die Herren Künstler zu 99% aus). Tatsächlich war es jedoch in früheren Jahrhunderten eine übliche Vorgehensweise, "verdächtige Tote" erneut aus dem Grab zu holen und sie zu pfählen, enthaupten oder zu verbrennen (siehe dazu auch: Mhyten und Legenden).

In vielen Werken spielt jedwede Darstellung eines Kruzifix/Kreuz sowie Weihwasser und geweihtes Silber eine wichtige Rolle. Dies ist wohl auf den christlichen Glauben zurück zu führen und tatsächlich nahm die Kirche jahrhundertelang in Anspruch, die einzige Rettung vor bösen und dämonischen Kräften - unter denen der Vampir gezählt wird - zu sein. Fragt sich allerdings, was wäre, wenn der Vampir einem anderen Glauben angehört bzw. ateistisch ist (wie sagte Chagal in "Tanz der Vampire" treffend: "Das funktioniert nicht bei mir. Ich bin ein jüdischer Vampir.")

Bleibt noch der Knoblauch. Dies ist keine Erfindung von Autoren, sondern im Mittelalter eine weit verbreitete Abschreckung gegen Dämonen. Knoblauch wurde wegen seiner blutverdünnenden (!) und stark antibakteriellen Wirkung geschätzt und daher auch der Abschreckung gegen Vampire angedichtet. Doch wie sagte es Vampir Bill in "True Blood" so treffend: "Etwas streng im Geschmack, sonst in Ordnung".



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