Frage: Was haben diese drei Herren auf dem Bild gemeinsam. Richtig, es sind alles Vampire bzw. die filmische Darstellung von eben jenen, gleichwohl die meisten Ladies wohl den Herrn rechts im Bild vorziehen werden. Der Vampir ist fast so lange im Filmgeschäft wie es dieses Medium gibt und hat im Laufe der Jahrzehnte erstaunliche Wandlungen durchgemacht.



Murnau, Schreck und Nosferatu

Bram Stoker bezeichnet seinen Grafen in "Dracula" zwar als vornehm, gebildet und verführerisch; er schreibt ihm aber auch eine animalische Seite mit starker Körperbehaarung und raubvogelartigem Gesicht zu. Darüber hinaus soll der Graf einen fauligen Atem haben und auch Modergeruch soll an ihm haften. Der deutsche Regisseur F.W. Murnau wollte Stoker's Roman verfilmen, nachdem er jedoch keine Genehmigung dafür erhielt, verfasste er eine freie Adaption des Werkes (wofür er wohl heute von Hollywoods Studios eine Armada Anwälte auf den Hals bekäme). Heraus kam "Nosferatu", in der Hauptrolle Max Schreck (!) als Graf Orlok. Orlok wurde dabei sehr abstoßend dargestellt. Er hatte einen deformierten Schädel, spitze Reisszähne und große, spitze Ohren, womit er einer grotesken Mischung aus Mensch und Fledermaus glich. Hinzu kamen klauenartige Hände und einen skelettartigen Körper.



Bela Lugosi ist Dracula

Die 1931 entstandene, englische Adaption "Dracula" des Regisseurs Tod Browning wählte dagegen einen anderen Weg. Der ungarisch-rumänische (!) Bühnenschauspieler Bela Lugosi, der die Rolle des Draculas zuvor am Broadway spielte, verlieh Graf Dracula ein Image, das noch bis heute anhält: Der würdevolle und durchaus kultivierte Adlige, welcher - obwohl nicht im klassischen Sinne schön - Charme auf die holde Weiblichkeit hat. Auch das allgemeine Erscheinungsbild Graf Draculas in Anzug und Cape wurde geprägt. Zwar wirkt Lugosi's Spiel in einigen Szenen etwas übertrieben - Überbleibsel der Stummfilmära - aber dennoch schafft er es die Würde und Arroganz des Grafen entsprechend zu verkörpern. Auch die leichte rumänische Akzentfärbung Lugosis passt hervorragend. Insgesamt ist der Film eine der werkgetreusten Umsetzungen und sowohl aus diesem Grund als auch Lugosis überzeugender Darstellung bis heute ein beliebter Film.



Gentlemen des Grauens

Nach einem Boom der Horrorklassiker Anfang der 30er Jahre - v.a. das Universal Studio mit Filmen wie "Frankenstein", "Die Mumie" und zahlreiche Fortsetzungen - blieb es bis in die später 50er hinein recht ruhig um die Vampire auf der Leinwand. 1958 brachte jedoch das englische Filmstudio Hammer eine Neuverfilmung von "Dracula" in die Kinos. Hauptdarsteller war Christopher Lee, der durch seine Ausstrahlung und seine imposante Körpergröße dem Grafen eine völlig neue Note gab. Könnte man sagen, das Lugosi's Dracula durch seine biedere Inszenierung noch die Atmosphäre eines Theaterstücks ausstrahlte, so ist der Hammer-"Dracula" mit farbigen Blut und rasanterem Handlungsblauf näher an heutigen Horrorfilmen. Obwohl auch Lee's Spiel bisweilen etwas übertrieben wirkt, so schaffte der Schauspieler - der dank "Herr der Ringe", "Star Wars" und Tim Burton ein spätes Comeback im neuen Jahrtausend erlebte - mit einer Leichtigkeit zwischen charmanter Verführung zu brutaler Härte zu wechseln.

Zugegeben, die inflationäre Welle von B-Horror-filmen, welche Hammer und andere Studios in den Folgejahren auf den Markt warfen, darunter auch ganze 6 Fortsetzungen von "Dracula" - die von ganz gut bis grottenschlecht reichen -, trüben den Gesamteindruck ein wenig. Fakt jedoch bleibt, das Lee dem Vampir für viele Jahre ein Gesicht gab, das auch bis heute nicht verblasst ist.



Plötzlich sind es die Teens

Obwohl Horrorfilme von jeher bei den jungen Kinozuschauern beliebt waren, hatte es zunächst keinen Einfluss auf das Alter der Darsteller von Horrorfilmen. Sowohl Lugosi als auch Lee waren bereits in ihren Vierzigern als sie die Rolle des Grafen spielten; auch in anderen Horrorfilmen war es kaum anders. Mitte der Siebziger begann sich das Bild jedoch leicht zu verändern. In "Carrie", "Der weiße Hai", "Der Exorzist" und "Das Omen" - alles natürlich keine Vampirfilme - waren Teens und Kinder mit von der Partie. "Halloween" (1978) und "Freitag, der 13." (1980) beinhaltete fast ausschließlich Teenager, was bei dem jugendlichen Publikum sehr gut ankam - gleichwohl ihre Altersgenossen nun meist auf der Leinwand nur die Opfer waren.

Auf die Vampire hatte das zunächst aber keine Auswirkungen. Auch Anne Rice' Romane "Interview mit einem Vampir" und "Der Fürst des Finsternis", mit dem "schönen, gefallenen Engel" Lestat änderte daran nicht. Werwölfe, Frankenstein, Mumien, Geister, Vampire - sie galten als veraltet. In den Achtzigern waren es vor allem die Serienkiller, die im Horrorgenre boomten. Die neuen Monster hießen nun Jason Vorhoees, Freddy Krüger, Michael Myers oder Pinhead. Der erste wirkliche Vampirfilm, in denen junge Darsteller Vampire waren, war 1987 "The lost Boys". Beworben mit dem Plakatspruch "Jeden Tag schlafen. Jede Nacht Partys. Niemals älter werden. Niemals sterben." sprach man - trotz der Klischees - das jugendliche Publikum an. In diesem Film, in welchem der junge Kiefer Sutherland (Jack Bauer, "24") die Hauptrolle spielte, waren die Vampire nicht nur jung, sondern darüber hinaus sexy, cool und rebellisch. Buffy-Erfinder Joss Whedon gibt freimütig zu, sich von "The lost Boys" habe inspirieren lassen, was. u.a. auch die Ähnlichkeit zwischen dem platinblonden, Punkvampir Kiefer Sutherland und James Marsters (Spike) erklären dürfte. (Darüberhinaus sehen die Vampire mit ihren Kontaktlinsen und der wulstigen Stirn bemerkenswert den Vampiren aus "Buffy" und "Angel" ähnlich).



Sexy - modern - komplex

Trotz einer gewissen Aufmerksamkeit und den heutigen Status als Kultfilm, war "The lost Boys" jedoch kein überwältigender Erfolg. Vampirfilme waren auch - bis auf wenige Ausnahmen - ein Nischenprodukt in der Filmlandschaft. 1992 kam die aufwendige Coppola-Verfilmung "Bram Stoker's Dracula" (mit Gary Oldman) heraus, die wieder sehr werkgetreu zum Grafen zurückkehrte. Joss Whedon's Kinofilm "Buffy: Der Vampirkiller" (ebenfalls '92) ging in den Kinosäalen unter. 1994 machte man sich daran, Anne Rice' extrem erfolgreiche Buchreihe "The Vampire Chronicles" um den Vampir Lestat ins Kino zu bringen. "Interview mit einem Vampir" hatte mit Tom Cruise und Brad Pitt zwei Hollywood-Schönlinge in den Reihen. Hier wirkten Vampire nun nicht mehr nur verführerisch und animalisch, sondern - was bei den Schauspielern nicht verwundert - auch ungemein sexy. Der Film war durchaus ein Erfolg, wurde jedoch nicht fortgesetzt. Dafür kam 1997 die Serie "Buffy" ins Fernsehen, die sich innerhalb kurzer Zeit zu einer beliebten Serie entwickelte. Wie auch "The lost Boys" und "Interview mit einem Vampir" werden die Vampire hier entstaubt. Sie leben nicht mehr in Gruften und Schlössern, sondern mitten unter den Menschen. Und mit David Boreanaz und später James Marsters fügte man auch noch männliche Hauptdarsteller mit fraglosem Sexappeal hinzu.

Darüber hinaus veränderte sich auch das Wesen der Vampire. Wobei hier natürlich der neue Zeitgeist von Fernsehserien eine Rolle spielte. Früher bestanden Fernsehserien aus ziemlich abgeschlossenen Episoden. Die Handlung einer Episode - so drastisch sie auch gewesen sein mag - hatte kaum bis sehr wenig Auswirkungen auf die nächste Episode. Captain Kirk verlor Bruder und Neffe, MacGyver bricht sich ein Bein und Sonny Crockett wird angeschossen: Egal, in der darauffolgenden Episode scheint es keine Erwähnung wert. Und die Fernsehhelden waren fehlerfrei: Kein Übergewicht, keine Alkoholiker, keine Drogensüchtigen, keine Depressiven sondern stets gut, heroisch und durchtrainiert. Natürlich gab es Serien mit fortlaufender Handlung, aber das waren in der Regel Mehrteiler und Daily Soaps. Mit den so genannten Prime Time Soaps der Achtziger - "Dallas", "Der Denver Clan", "Falcon Crest" - wurden erstmals in den 1stündigen Serien fortlaufende Handlungen integriert. In den 1990ern bauten Serien wie "Twin Peaks", "Babylon 5" und "Akte X" große Handlungsstränge auf und die Charaktere waren bei weitem nicht fehlerfrei, sondern komplex.

Gleichwohl es so fast unmöglich ist, bei einer laufenden Serie "einfach mal so" einzusteigen, erwies es sich beim Publikum als sehr beliebt. Heute kommt kaum noch eine Serie ohne Episoden- und Staffel-übergreifende Handlungen aus. Und dies hatte natürlich Auswirkungen auf die Vampire: Waren die alten Vampire wie Dracula und Nosferatu entweder animalische Monster oder Blutsauger ohne Gewissen, so schürfte man nun tiefer in der Persönlichkeit der Vampire. Angel bekam durch einen Zigeunerfluch eine Seele - und damit auch ein Gewissen. Spike war zunächst der Vampir ohne Gewissen, doch auch er hatte ein komplexes Innenleben. überhaupt fällt es in neueren Serien und Filmen auf, dass die Vampire durchaus ein Gewissen entwickeln. Dies geht soweit, dass sie ihre eigene Existenz hassen und auch "das Monster in sich" bekämpfen wollen.

In Kino-Blockbustern ging es weit weniger komplex zu, aber auch hier spürte man eine Veränderung: In "Blade" brachte man mit Wesley Snipes in der Titelrolle einen Charakter auf die Leinwand, der so ganz und gar nicht an Dracula erinnerte. Mit "Underworld" brachte man mit Kate Beckinsale (in hautengem Latex) das erste Mal eine Frau in der Hauptrolle eines Vampirs auf die Leinwand. Beckinsale's Charakter Selene war sexy, doch sie war auch gefährlich. Vampire gingen sichtlich mit der Zeit. Gemäß dem Motto: "Warum Anzug und Cape, wenn ich Ledermantel und Jeans haben kann" wurden Vampire nicht nur optisch aufgepeppt, sondern nutzten auch die moderne Gesellschaft. Gejagt wurden Opfer noch immer, aber um nicht aufzufallen geht auch mal Schweineblut aus der Industrie oder Blutkonserven aus dem Krankenhaus. Als zeitgenössischer Vampir kann man durchaus auch moderne Technologien verwenden. Handys, moderne Wohnungen, Feuerwaffen - für Blade, Angel, Selene und Spike kein Problem.

Verstaubte Grafen haben nach heutigem Stand erstmal ausgedient. Waren "Angel", "Buffy", "Blade" und "Underworld" der Beginn der Vampir-Welle, so erreichte sie spätestens mit "Twilight" den absoluten Boom. In den Filmen wie in den Büchern sehen wir moderne Vampire, die sich der Schwächen ihrer Existenz bewusst sind, und ein so normales Leben wie möglich führen wollen. Auch hier hat man mit Robert Pattinson wieder einen Schauspieler besetzt, der mit jugendlicher Schönheit den Vampirmythos belebt. Mit zahlreichen neuen Buchreihen sowie erfolgreichen TV-Serien wie "True Blood" und "The Vampire diaries" wird die Erfolgsgeschichte der Vampire weiter geschrieben und dauert hoffentlich noch lange an. Mal sehen, wie sich der filmische Vampir in Zukunft verändern wird...



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